Flieger, grüß’ mir die Sonne!

Die Welt, Mitte der Dreißiger Jahre des Zwanzigsten Jahrhunderts. Zwei abgehalfterte Kumpel, die ihr Geld mit Kurierdiensten in ihrem in die Jahre gekommenen Wasserflugzeug verdienen, geraten erst in Geldnot, dann an einen aufgeregten Archäologen und dessen attraktive Tochter und schließlich in ein mörderisches Wettrennen mit bösen Mächten, das sie nach Amazonien führt. Dort im Dschungel soll sich ein Geheimnis offenbaren, das die antike transatlantische Geschichtsschreibung revolutionieren könnte.

Ein entspanntes Abenteuer mit kantigen Typen und viel Liebe zum Detail

Vorweg: Lost Cargo: Tempeljäger hat mich begeistert. Ich war lange auf der Suche nach Geschichten, die das Setting und das Abenteuerfeeling von Indiana Jones aufgreifen. Und auch wenn Jack und Otto nicht ganz dem Archetypen des toughen Archäologen entsprechen, meistern sie ihr Abenteuer mit ihren eigenen Talenten – und vor allem Macken. 

Bruce Baxter | Lost Cargo Tempeljäger Buchcover

Jack und Otto sind ein sympathisches und authentisches Duo. Ihre Liebe für ihr Flugzeug springt dank einer detailgetreuen, dabei aber zurückhaltend platzierten technischen Beschreibung der Maschinen (und wunderbarer Skizzen im Mittelteil des Buches) schnell auf den Leser über und man beginnt, sich mit den beiden und ihrer wind- und wettererprobten Freundschaft zu identifizieren.

Was sie erleben, ist dabei an vielen Stellen weder innovativ noch von fesselnder Spannung; das Ende rutscht mir persönlich auch ein kleines bisschen zu sehr ins Mythische ab (aber auch das ist ja ganz im Sinne eines Indiana Jones). Dank eines sehr flüssigen, natürlichen Erzählstils, lebhaft dargestellter Schauplätze und der richtigen Mischung aus Dialogen, Handlungsbeschleunigung und Umfeld- bzw. Hintergrundbeschreibungen taucht man jedoch schnell in die Geschichte ein und freut sich nach jeder dramatischen Situation, die die Helden meistern konnten, schon auf die nächste. Man hat dabei zwar das Gefühl, dass sie alles, was kommt, irgendwie hinbekommen werden, aber da gibt es ja auch noch die Art und Weise – und die zu verfolgen macht Spaß.

Spannend ist hier auch die Vermischung archäologischer Themen unterschiedlichster Kulturkreise. Thematisiert werden der Mittelmeerraum der Antike, die Götterkulte im Dschungel von Amazonien, die Eroberung und Erforschung Südamerikas im 17. Jahrhundert und, wenn auch als Teil der allgemeinen Handlung, die Mythenkulte der Nazis im 20. Jahrhundert. 

Fazit

Insgesamt kann man also sagen, dass Nervenkitzel nicht das primäre Schlagwort ist, unter dem man das Buch einsortieren sollte. Lost Cargo: Tempeljäger ist ein sehr lebhaftes, über weite Teile authentisches Abenteuer, das einen von Zeiten träumen lässt, in denen es in der Welt noch Schätze zu entdecken gab und man noch etwas mehr seines eigenen Schicksals Schmied (oder in dem Fall: Schrauber) war. 

Den kleinen Faux-pas, dass Otto auf dem Einband Oskar genannt wird, kann man dabei fast vergessen.

Bruce Baxter | Lost Cargo Tempeljäger Buchcover

Bibliografische Angaben

Titel: Lost Cargo: Tempeljäger
Autor: Bruce Baxter
Genre: Roman
Verlag: Lübbe
ISBN: 978-3-404-18082-0
Erscheinungsdatum: 2020
Format (Umfang): Taschenbuch (352 Seiten)

Gesamtwertung: 7 von 10